Andreas Luckey

„Manchmal hält man mich für einen Orthodoxen“, sagt Andreas Luckey, lächelt und streicht seinen langen Bart glatt. „Dabei bin ich doch nur ‚ganz normal’ katholisch.“

Porträt: Ein „ganz normaler“ Pfarrvikar

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Im September 2018 hat der 53-Jährige seine neue Stelle als Pfarrvikar im Pfarrverband Am Stommelerbusch angetreten. Ursprünglich stammt er aus der Gegend von Stuttgart. Dort durchlebte er eine „ganz normale“ Christenkindheit, wie er sagt - als Messdiener und Jugendgruppenleiter in einer Kirche des Aufbruchs. Damals waren die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils schon etabliert: „Ich kenne nur das Gotteslob und den Altar in der Mitte.“

 

Luckey studierte Theologie in Bonn, Köln und Tübingen. 1993 wurde er zum Priester geweiht. Danach schickte ihn das Erzbistum in verschiedene Gemeinden, etwa nach Bad Münstereifel und Leichlingen. Zuletzt wirkte er fast drei Jahre lang als Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft Windeck. Kinder- und Jugendarbeit lag ihm immer besonders am Herzen. Und immer fühlt er sich dem Heiligen Franziskus nahe.
Wie will er dem schwindenden Interesse an der Kirche begegnen, das auch in Stommeln, Sinnersdorf und Stommelerbusch deutlich zu spüren ist? „Man kann kein Interesse schaffen, sondern nur wecken.“ Zum Beispiel durch Vorleben. Er lasse sich gern auf Menschen ein. Über sich selbst sagt er: „Ich bin wie ich bin. Authentisch zu sein ist mir wichtig.“

 

Zu dem durch die Missbrauchsskandale angeschlagenem Image der Katholischen Kirche hat er eine dezidierte Meinung: „Wir haben als Kirche nichts zu verbergen. Einzelne innerhalb der Kirche aber offenbar schon.“ Vertuschen und nicht drüber reden, das trage heute nicht mehr: „Wer auch immer jemanden missbraucht, ob in Kirche, Schule oder Familie: das darf nicht sein!“ Dann sagt er leise: „Ich habe – zum Glück – selbst noch keine Berührung zu Missbrauchsfällen gehabt.“

 

Muss man die Kirche auch hier am Stommelerbusch in die Moderne führen? „Christsein ist modern“, sagt Luckey. „Katholisch bedeutet konservativ und progressiv zugleich.“ Werte erhalten und neue schaffen. Man müsse das vielleicht wieder besser vermitteln. „Alles dazu steht in der Bibel.“ Vor allem meint er die zehn Gebote. „Dazu braucht man heute kein elftes oder zwölftes.“ Und wie hält er es mit der Ökumene? „Klar, die christliche Einheit steht ja als Auftrag in der Bibel.“ Allerdings hängt es nach seiner Erfahrung oft von den beteiligten Personen ab, ob sie zumindest auf Gemeindeebene gelingt.

 

Die Modernität der Frohen Botschaft möchte Luckey auch in seinen Predigten deutlich machen. In der Messe erzählt er gern über die Bibel, legt sie aus: „Viele Gleichnisse, etwa das vom Senfkorn, stammen ja aus der Landwirtschaft. Deshalb verstehen die Menschen kaum mehr.“
Eine Wohnung hat Luckey am Rande von Sinnersdorf gefunden. Besser: ein Reihenhaus. Ideal findet er die Lage nicht. Er würde lieber in Kirchturmnähe leben. Dort gab es aber nichts Passendes. Platz braucht der „Spieler vor dem Herrn“, wie er sich selbstironisch nennt, auf jeden Fall: Mehr als 300 Gesellschaftsspiele nennt er sein Eigen. Die muss er irgendwo unterbringen. In seiner Freizeit hört er auch gern klassische Musik und irischen Folk. Und er geht gern wandern – am liebsten in die Berge. Er schmunzelt: „Das wird hier natürlich ziemlich schwierig.“